1+1=10: Mathematik für Höhlenmenschen

So heißt ein ungewöhnliches Mathebuch, das im bekannten Verlag Springer spektrum erschienen ist. Die „Entdeckung“ der wichtigsten Grundlagen der Mathematik (etwa Abi-Stoff) wird in die Steinzeit zurückverlegt – um zu zeigen, dass nur reine Geisteskraft zu diesen Einsichten notwendig ist. Nun ja: fast reines Denken, denn ein „Seher“ muss mit einigen Erkenntnissen aus der Zukunft aushelfen. Verpackt in unterhaltsame Geschichten und gewürzt mit philosophischen Betrachtungen bietet dieses Buch einen Überblick über das, was man „über Mathematik wissen muss“. Ein buntes Buffet bietet für jede(n) etwas: mathematische Grundlagen, triviale und schwierige Probleme, die wichtigsten mathematischen Entdeckungen (Zahlen, Symbole, Gleichungen, Differenzieren und Integrieren usw.), Einsichten in das Wesen und die Bedeutung der Mathematik bis hin zu Funktionsprinzipien der Computer. Da speziell das letzte Thema in der Steinzeit sicher etwas verfrüht gewesen wäre, hilft wieder der Druide und Seher mit solchen „Erkenntnissen aus der Zukunft“ etwas aus. Ansonsten kämpfen sich Eddi Einstein und Rudi Radlos, der Mathematiker und der Physiker, tapfer und verständlich durch meist einfaches Grundlagenwisse.

Natürlich gibt es für den Laien erst einmal beängstigende Formeln, aber manchmal entpuppen sie sich als klarer und harmloser als verzwickte sprachliche Gebilde, die dasselbe beschreiben. Und manchmal hat auch der Autor ein Einsehen und schreibt: „Den Rest sparen wir uns“ (z. B. eines Beweises). Er glänzt nicht nur mit schönen Geschichten, witzigen Formulierungen und didaktisch klaren Erläuterungen, er hat auch eine beeindruckende Sammlung von weiterführenden Hinweisen parat und scheut sich nicht davor, sein Fachgebiet auch mal selbst auf die Schippe zu nehmen. Besonders Leserinnen werden es schätzen, dass die Heldin des Buches – Wilhelmine Wicca – eine „weise Frau und Hexe“ ist und so klug wie die drei Männer zusammen.

Auf seinem Blog (Menü und Label „Mathematik“) bringt der Autor Jürgen Beetz umfangreiche Informationen: Inhaltsangabe, Leseprobe, Kritiken. Einen Blick ins Buch und die Möglichkeit es auch zu erwerben gibt es bei Amazon.

Fazit: Lehrreich, lustig, lesenswert

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2 Kommentar(e) wurde(n) abgegeben (Weiteren Komentar abgeben)

  1. Sehr schönes Review! Das Buch klingt sehr interessant und scheint schöne Erklärungsansätze zu enthalten. Es ist immer schwierig einem Nichtmathematiker Angst vor Formeln zu nehmen und klar zu machen, dass dies eigentlich nur eine andere Schreibweise ist. Grad wenn man voller Überzeugung und Leidenschaft ein Phänomen erklären will, und statt einer Zahl einen Buchstaben schreibt(womöglich noch einen griechischen) ist das anfängliche Interesse verschwunden.

    Empfehlen kann ich die Bücher von George G. Szpiro:
    Mathematik für Sonntagnachmittag
    Mathematik für Sonntagmorgen

    Sehr unterhaltsam! Auch für Nichtmathematiker

    Grüße

    1. quis on Juni 13th, 2013 at 12:36:21.000000
  2. Hallo,

    das eigentlich Faszinierende an der Mathematik ist doch, dass an ihr kein Zeit-Index haftet. Deshalb existierten alle mathematischen Gesetze bereits in der Steinzeit und sogar vor der Existenz des Menschen. Auch werden darum alle Mathematik-Gesetze noch in unendlich vielen Jahren weiterhin existieren! Wir Menschen sind nur darauf „gestoßen“! Führt man sich einmal dies vor Augen, dann wird man nicht umhin kommen Mathe immer auch philosophisch deuten zu wollen. Denn wenn etwas wie die Mathematik immer schon existierte, dann ist dieses zwangsläufig unserer Denkweise nach „ewig“ existierend. Etwas, das aber „ewig“ ist, hat einen „göttlichen“ Status!

    Grüße

    2. Ralf on Juni 9th, 2013 at 21:25:16.000000

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