Abstrakte Gedankengebäude und die Absicht, eine neue Technologie zum Funktionieren zu bringen: Diese Kombination ist es, die viele Mathematikerinnen und Mathematiker an ihrem Fach fasziniert. Wie Bergsteiger arbeiten sie sich mühevoll und manchmal vergebens an Fragen ab, die die Natur ein Stück weiter erklären. Mathematik ist also ziemlich anstrengend und aus diesem guten Grund auch nicht für jeden ein Genuss. Das sollte sich ändern, finden wir, und haben ein paar Gründe zusammengetragen, die Lust machen auf Mathe.
Mathematik ist Lust auf Verstehen, das Potenzial auf Verstehen mathematischer Phänomene. So gut zu verstehen, bis keine Unklarheit mehr übrig bleibt, bis Etwas auf den Grund durchleuchtet ist. Wer einen mathematischen Denkprozess erfolgreich durchlaufen hat, befindet sich in einem Zustand gedanklicher Klarheit –das fasziniert ihn.
Es gibt Lehrer, die Lust auf Mathe vermitteln, indem sie zeigen, dass Mathematik nicht aus dem stumpfsinnigen Abarbeiten von Rechenvorschriften besteht, sondern Tore in eine faszinierende Gedankenwelt öffnet. Noch viel wichtiger aber ist, dass sie ihre Schüler in eine Atmosphäre tauchen lassen, in der jeder selbst erfahren kann, wie gut es sich anfühlt, wenn sich durch Gedankenarbeit plötzlich Klarheit einstellt. Dafür müssten die Lehrpläne entschlackt werden, damit mehr Platz für die „Kür“ bleibt.
Lust auf Genauigkeit im Denken und Sprechen: Mathematik bedeutet klare Begriffe, eindeutige Formulierungen. Die Vorstellung, dass etwas Definitiv ist und unverrückbar, so, dass man sich daran festhalten kann, übt auf viele einen gewissen Reiz aus. Der Spitzenplatz für die Wissenschaft mit den exaktesten Begrifflichkeiten geht eindeutig an die Mathematik.
Lust auf die Schönheit der Mathematik, wie sie beispielsweise der große Mathematiker Benoit Mandelbrot bewies mit seinen faszinierenden aus Algorithmen erzeugten geometrischen Mustern, die so genannten Fraktate (siehe: Mandelbrotmenge). Mathematik besteht aus Argumenten. An manchen Argumenten haben viele große Denker über Jahrhunderte gearbeitet, sie geformt, poliert, passend angeordnet…
Und wie viel hat das alles mit der Welt zu tun? Das ganze Hightech-Leben basiert auf Mathe. „Fast jede mathematische Erkenntnis wird irgendwann für uns nützlich sein“, sagt Prof. Günther M. Ziegler von der TU Berlin, einer der berühmtesten Mathematiker Deutschlands. „Unser Alltag ist doch voller Mathe, die steckt in Zugfahrplänen, in Computergraphik, im Wetterbericht (wenn er stimmt) und so weiter.“ Ziegler selbst hat übrigens durchs Knobeln Lust auf Mathe bekommen.
Journal für Mathematikdidaktik 14 (1993) http://bit.ly/txFncO
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